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Gender[ed] Thoughts Nr. 1/2019 - "‚Weiblicher Phallizismus‘ im deutschen Hip Hop" von Mirja Riggert

Das Berliner Hip Hop-Duo SXTN ist vor allem wegen seiner provokanten Texte bekannt, die der männlich geprägten Rhetorik des Battle- und Gangsta-Rap entlehnt sind. Der vorliegende Beitrag analysiert ihr 2016 veröffentlichtes Musikvideo FTZN IM CLB hinsichtlich des emanzipatorischen Potentials, das den beiden Rapperinnen in der medialen Betrachtung vielfach attestiert wird. In einer konfigurativen Bild-Text-Ton-Analyse werden gendertheoretische Annahmen auf das Musikstück bezogen. Es wird gezeigt, dass über die Inszenierung aggressiver Schwesternschaft in FTZN IM CLB phallogozentrische Weiblichkeitsbilder dekonstruiert werden, indem feminine Topoi mit männlich konnotierten Verhaltensweisen verflochten werden. Zugleich zeigt sich aber auch, dass über die mimetische Adaption eines männlichen Habitus ein derivativer Status der weiblichen Position re-zementiert wird. Dafür ist besonders das von Angela McRobbie eingeführte Konzept des ‚weiblichen Phallizismus‘ (2009) bedeutsam, das in der phallischen Frau eine Re-Stabilisierung der Geschlechterhierarchie sieht. In SXTNs Rhetorik der Selbstbehauptung wird deutlich, wie sich dieses Konzept unter dem Deckmantel einer weiblichen Ermächtigung manifestiert.

Mit einem Kommentar von Eva-Maria van Straaten

Schlagworte

SXTN, Misogynie Hip Hop, weibliche Ermächtigung, Geschlechterhierarchie, Feminismus, Rhetorik Battle-Rap, Gangsta-Rap


Gender[ed] Thoughts No. 4 - Special Issue "Gender and Violence in Contexts of Migration and Displacement" by Susanne Hofmann and Hatice Pinar Senoguz

This special issue originates from the Summer Symposium Reconsidering gender-based violence in the context of displacement and migration held at the Georg-August University of Göttingen on 6-7th July 2017.

The following working papers explore different forms of gender violence, avoiding the pitfalls of a mainstream feminism that reproduces stereotypes of victimhood and marginalisation. Instead, the authors emphasise the role of power in relation to various kinds of gender violence, paying attention to the intricate inequalities that structure victims’ lives. The authors contribute to intersectional and actor-focused understandings of gender violence in conditions of mobility within or across borders of nation states.

Content

Introduction to the Special Issue: Gender and Violence in Contexts of Migration and Displacement by Dr. Susanne Hofmann & Dr. Hatice Pinar Senoguz

National Belonging and Violent Norms of Gendered Migrant Citizenship: Indonesian Migrant Domestic Workers’ Appropriation of a National Ritual by Samia Dinkelaker

Song of My Mother: Remembering and Representing the Forced Displacement and Resettlement of Kurdish Women by Tebessüm Yilmaz

Biopolitics and Displaced Bodies: Challenging Message and Representation in Refugee Art by Güler Ince


Gender[ed] Thoughts Nr. 3 - "Go hard or go home!" von Peter Kiep

Der gegenwärtige Trend der Körpermodellierung hat in den letzten Jahren ebenso stetig Veränderungen erfahren wie das kommerzielle Fitnessstudio als ein anerkannter Ort der Artikulation moderner Körperlichkeit. Dies zeigt sich insbesondere an den gestiegenen Ansprüchen hinsichtlich gesellschaftlich akzeptierter Körperideale. Dabei bedingt das Sporttreiben im Fitnessstudio positive wie auch negative Erfahrungen, die an das Aussehen und die sportliche Leistung gebunden sind. Hiervon ausgehend nimmt die vorliegende Studie an der Schnittstelle von Sportwissenschaften und Geschlechterforschung die Frage in den Blick, welche Bedeutung diverse Körper(-formen) für die Anerkennung junger Männer innerhalb der Fitnessszene haben. Hierbei werden zum einen positive Anerkennungserfahrungen basierend auf der richtigen Selbstinszenierung sowie der sportlichen Leistung deutlich. Zum anderen werden Abhängigkeiten zwischen Hierarchien unter Männern, körperbezogenen Diskriminierungstendenzen und der selbstbestimmten Teilnahme am körpermodellierenden Sport sichtbar.


Gender[ed] Thoughts Nr. 2 - "Zur symbolischen Kastration von traditionellen Männlichkeiten" von Julia Schwanke

Die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek (*1946) gilt als Autorin, die durch die überspitzte Darstellung der männlichen Herrschaft patriarchale Herrschaftsformen kritisiert. Der vorliegende Beitrag analysiert zwei Romane Jelineks der 1980er Jahre aus gendertheoretischer Sicht: Die Ausgesperrten und Die Klavierspielerin. Es wird gezeigt, dass Jelinek über eine einfache Patriarchatskritik hinausgeht, indem sie die männliche Herrschaft ad absurdum führt – sie führt symbolisch kastrierte Männlichkeiten als Persiflage einer traditionellen Männlichkeit vor. Für die Analyse werden soziologische geschlechts- und klassentheoretische Ansätze mit einer Methode zur Figurenanalyse verbunden. Michael Meusers Ansatz, welcher Raewyn Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit mit Pierre Bourdieus Habitus-Konzept verbindet, wird in die Figurenanalyse Jens Eders integriert. Dadurch wird die Performanz von Männlichkeit in Jelineks Prosa sichtbar(er) gemacht und in den Kontext einer doppelten Distinktions- und Dominanzlogik eingeordnet. Im Zuge der Analyse wird deutlich, dass die männlichen Figuren, welche sich bei der Konstruktion ihrer Männlichkeit am Ideal der hegemonialen Männlichkeit orientieren, zum Scheitern verurteilt sind. Sie können den Anforderungen, die das Patriarchat mit der Verkörperung einer hegemonialen Männlichkeit an sie stellt, nicht gerecht werden. Jelinek kastriert sie symbolisch.


Gender[ed] Thoughts Nr. 1 - "(Wie) Die O-Phase verändern?" von Simon Volpers und Folke Brodersen

Basierend auf qualitativen Erhebungen (teilnehmende Beobachtung, themenzentriert-narratives Interview) in den ‚Orientierungsphasen‘ der Studienfächer Physik, Wirtschaftswissenschaften und Sozialwissenschaften werden Göttinger Praxen studentischer Hochschuleinführung rekonstruiert. Diese erfahren in öffentlich-medialen wie hochschulinternen Diskursen eine zunehmende Kritik. Der Beitrag folgt den sich andeutenden Diskursbewegungen, die auf Basis der strukturellen Eigenlogiken der sog. O-Phase verortet und kontrastiert werden. Erörtert werden eine Grundstruktur des Exzesses, darin eingebettete, gewaltförmige vergeschlechtlichte und sexualisierte Praxen sowie die Funktionalität und Anschlussfähigkeit dieser Form des Studieneinstiegs innerhalb gegenwärtiger Transformationen der Hochschule. Der Beitrag entwickelt eine empirisch fundierte Perspektivierung, Zusammenführung und Reformulierung von Kritik.